Wenn am Ende einer vorzüglichen Saison der Finanzdirektor eines Luxushauses die Bilanz prüft, steht er oft vor einem unbequemen Widerspruch. Die Berichte weisen eine glänzende Auslastung aus, und der Buchungskalender platzte aus allen Nähten. Doch der abschließende Betriebsgewinn erscheint unverhältnismäßig niedrig im Verhältnis zur geleisteten Arbeit des ganzen Teams. Wohin entweicht das Kapital? Die Antwort verbirgt sich gewöhnlich in einer zusammengesetzten Kennzahl: dem CAC (Customer Acquisition Cost). In der Hospitality-Branche hat der Kostenaufwand für die Gewinnung eines Gastes längst aufgehört, bloß eine Marketinggebühr zu sein – er wurde zu einem systemischen Abfluss der Marge, gegen den Häuser des High-End-Segments einen strategischen Kampf aufnehmen müssen.
Die Provisionskaskade als stille Erosion der Rentabilität
Die meisten Luxushotels geraten in die Falle der sogenannten Provisionskaskade. Der Vorgang beginnt mit dem Bezahlen kostspieliger Kampagnen in Suchmaschinen und sozialen Medien, um überhaupt im Bewusstsein eines möglichen Kunden zu bestehen. Entscheidet dieser sich für einen Aufenthalt, wählt er oft die Abkürzung – er bucht über globale Vermittler (OTAs). In diesem Augenblick gibt das Hotel einer außenstehenden Gesellschaft einen bedeutenden Teil des Buchungswertes ab. Rechnen wir dazu die Gebühren für den Betrieb der Buchungsmaschinen (weitere 2–3 %) sowie die Kosten der Zahlungsabwicklung, zeigt sich, dass der wirkliche Gewinn aus der Vermietung eines Zimmers drastisch schrumpft.
In der Folge genügt es nicht mehr, eine stabile Average Daily Rate (ADR) zu halten, denn der Löwenanteil dieses Betrags gelangt nie auf die Konten der Investoren. Das trifft unmittelbar die wichtigste Rentabilitätskennzahl – den Gross Operating Profit Per Available Room (GOPPAR). Die Marge an außenstehende Plattformen abzugeben kann einem Hotel allmählich die finanzielle Unabhängigkeit nehmen und weitere Investitionen in das Heben der Quiet-Luxury-Standards unmöglich machen.
Digitale Souveränität als erste Verteidigungslinie
Die Kontrolle über den eigenen CAC zurückzugewinnen beginnt mit der Sicherung der digitalen Fundamente. OTA-Aggregatoren haben die Kunst des sogenannten Brand Jacking vorzüglich beherrscht – sie kaufen bezahlte Anzeigen auf den Namen eines bestimmten Luxushotels und übernehmen Verkehr, der organisch ohnehin dem Haus gehörte. Eine ausdrucksstarke Adresse aus dem Bestand von Odoardo Space™, exklusiv genommen, gibt dem Haus einen wiedererkennbaren, eigenen Zugang – unter diesem Namen tritt niemand sonst auf. Die Adresse allein garantiert weder Besucher noch eine Position in der Suchmaschine, aber ein Gast, der sie sich merkt, gelangt direkt zum Haus, ohne Vermittler dazwischen – das entfaltet der Text Kundenakquisekosten (CAC) im B2B-Modell.
Der Paradigmenwechsel von UGC zu CGC
Ein weiterer mächtiger Kostentreiber ist der Kampf um Aufmerksamkeit. Hotels rechnen damit, dass Gäste das Haus in sozialen Medien selbst bewerben. Leider ist laienhafter User-Generated Content (UGC) gewöhnlich Material, gedreht in schlechtem Licht, mit einem Filter über der Wellness-Zone und den architektonischen Einzelheiten. Ein Haus, das im Netz schlechter aussieht, als es wirklich aussieht, muss das danach mit einem Rabatt oder einer teureren Kampagne aufholen.
Die Lösung, die die Akquisekosten senken kann, ist die Einführung des Kinostandards. Odoardo Lens™ erlaubt Hotels, die Rolle des behutsamen Regisseurs zu übernehmen. Dank physischer Karten mit verborgenem Mikrochip öffnet der Gast eine kinoreife Oberfläche auf dem eigenen Telefon. Das System gibt Hinweise, von wo eine Einstellung am besten gelingt, und zeigt dabei Leistungen, von denen der Gast womöglich nichts weiß. Die Software führt Color Grading und Schnitt aus. Im Ergebnis entsteht eine Videopostkarte als Curated Guest Content (CGC), die der Gast teilen kann und die eine Schaltfläche enthält, die geradewegs zur Buchungsmaschine des Hotels führt. Die Veröffentlichung des Materials durch die Marke verlangt die Zustimmung des Gastes. Das Haus gewinnt organische Reichweite ohne Provision für die OTAs.
Die physische Dimension der Beziehung und die Steigerung des Gastwertes
Den CAC wirksam zu senken bedeutet auch, den Gewinn aus einem Gast zu maximieren, der sich bereits im Hotel befindet. In einer luxuriösen Umgebung ist aggressiver Verkauf ausgeschlossen. Hier zählt eine Erfahrung, die auf kultivierten Einzelheiten beruht. Die Einführung intelligenter Gegenstände aus dem Portfolio von Odoardo Soul™ erlaubt Häusern, die Materie zu beleben – Möbel oder Elemente einer Suite können bei Berührung mit dem Smartphone die eigene Geschichte erzählen oder diskret eine Leistung aus dem SPA-Menü vorschlagen.
Die einmalige Aura eines Ortes aufzubauen, die Gäste zur Rückkehr bewegt, verlangt einen ganzheitlichen Zugang. Den Raum mit vierteljährlich wechselnden Werken von Odoardo Art™ zu bereichern hebt das ästhetische Prestige und begründet hohe Übernachtungssätze – das beschreibt der Text Wie hebt man den NPS von Hotelgästen?. Werkzeuge wie Odoardo Alibi™ wiederum begünstigen das Anknüpfen tiefer Gespräche in Clubzonen, worüber wir im Material Die Ruhezone im Luxushotel und SPA schreiben. Je stärker die Bindung eines Gastes an ein Haus, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass er beim nächsten Besuch die Suchmaschine der Vermittler nutzt.
Darüber, warum diese Kosten im Budget so schwer zu sehen sind, sagt der Schöpfer des Odoardo™-Ökosystems:
„Die Kosten der Gastgewinnung sind selten eine Position im Budget. Es ist eine Kaskade: Provision, Rabatt, Kanalkosten und Arbeitszeit des Teams, so verteilt, dass keine davon bedrohlich aussieht. Erst zusammengezählt zeigen sie, was eine einzelne Buchung wirklich kostet.“
Die versteckten Kosten der Gastgewinnung zu verstehen und zu zerlegen ist heute eine grundlegende Pflicht der Führung. Sich aus dem Griff der Provisionskaskade zu befreien und den Nachdruck auf eigene, diskrete Neuerungen zu verlagern kann in den kommenden Jahren zur sichersten Strategie der Margenverteidigung werden.
Die vollständige Kaskade der Kosten zerlegen wir in ihre Bestandteile in der Odoardo™-Forschung.
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